Staudacher5

 

(Der Künstler feierte am 14. Jänner 2013 seinen 90. Geburtstag)

Die Position, die er im Kunstgeschehen nach 1945/50 einnimmt, ist singulär. Immer noch aktiv, in vielen Ausstellungen präsent, assoziationsgeladen wie eh und je und an zahlreichen kulturellen Events beteiligt, kommt dem 1923 in Sankt Urban am Ossiachersee geborenen Kärntner, der zu Beginn des Jahres mit Ausstellungen in Wien und Kärnten seinen 90. Geburtstag beging, die Rolle des Doyens zeitgenössischer Malerei in Österreich zu.

Missverständnisse und Ablehnung, die seine Großteiles dem Lyrischen Informel zugehörigen abstrakten Arbeiten zwischen 1950 und 1965 erfahren mussten, sind inzwischen großer Akzeptanz und einer breiten Mitgehbereitschaft in- und ausländischer Kunstsammler gewichen, für die neben den künstlerischen Fähigkeiten und dem Durchhaltevermögen des wiederholt ausgezeichneten Malers auch Staudachers Talent als “ Menschenbauer” und Entertainer eine Rolle gespielt haben dürften. In allen Techniken der Malerei, Grafik, Collage und Druckgrafik bestens verankert, geht es dem seit 1950 in Wien lebenden, unter anderem mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaften und Kunst 1. Klasse sowie dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Wien ausgezeichneten Künstler, um die fortlaufende Aktivierung des Bildgeschehens.

Sein improvisationsfreudiger Stil auf Basis spontaner, gestisch geprägter, handschriftlicher Formelemente und Kürzel beweist nicht nur Einfallsreichtum und Reaktionsschnelle  im bildnerischen Vollzug, sondern vor allem das stets anzutreffende, präzise graphische Kalkül des Malers, dem man Rhythmus und Musikalität ebenso wie Sinnlichkeit und fallweise Ironie anmerkt. All das, was als Nachweis für die Bedeutung und Exklusivität des Malers herangezogen werden kann, ist bei Staudacher in überreichem Maße vorhanden: Ausstellungen in Europa, Japan, den USA und Brasilien, Biennaleteilnahmen in Venedig und SaoPaulo, die Präsenz wichtiger Werke in bedeutenden Museen und unzähligen Privatsammlungen, Monographien, Kataloge und ein ergänzendes Schrifttum, das vor allem die vielen Beteiligungen des Künstlers an Themen- und Gruppenausstellungen im In und Ausland dokumentiert. Entscheidender Bezugspunkt für Staudachers künstlerischen Werdegang wurde Paris. Ab 1954 hielt sich der Maler periodisch in der Seine – Metropole auf, die als Zentrum der Avantgarde und als Sammelbecken wichtiger Galerien für zeitgenössische Kunst ihre Position bis in die Mitter der 1060er Jahre gegenüber New York halten konnte.

Die jetzt bei Artemons Contemporary gezeigte Ausstellung mit Gemälden und graphischen Blättern vermittelt ausgewählte Streiflichter beziehungsweise kleinere Werkgruppen eines großen, außergewöhnlichen Lebenswerks. In seiner informellen expressiv-abstrakten Bestimmtheit ist es nicht nur charakteristisches Beispiel für eine der wichtigsten Stilrichtungen nach 1945, sondern auch konzentriertes nach vielen Seiten hin offenes Manifest für den Ideenreichtum und das grafische Temperament eines Malers, in dessen Werkkanon formale Qualitäten ganz oben stehen.

Peter Baum (von 1973 – 2004 Direktor der Neuen Galerie der Stadt Linz bzw. Gründungsdirektor des Lentos Kunstmuseums, Kurator des Museums Liaunig Neuhaus / Suha )