Galerie Artemons Contemporary Wien 

Opernring 21, 1010 Wien

Sommerpause bis 12. September

 

 

Franz Grabmayr

Eröffnung der Austellung: Donnerstag, 12.September um 18:00

Es spricht Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder (Generaldirektor Albertina)

Ausstellung: 13. September bis 31. Oktober 2019

D4 Detail

Ausschnitt: Tänzerin vor Feuer, 1988-93, 190x104cm, Öl/L

Die Ölgemälde der aktuellen Ausstellung werden ab 10. September online gestellt. 


Franz Grabmayr zählt zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation und es ist zu erwarten, dass sich seine kunsthistorische Bedeutung auch international in den kommenden Jahren mehr und mehr herauskristallisieren wird. 


Ein Wesensmerkmal seines Schaffens ist die Auseinandersetzung mit Natur, mit Landschaftlichkeit, wobei sein Bestreben als Maler des 20. Jahrhunderts nie das "Abbild" sein kann.  Es ist ein manifestieren der Energie, die einer Landschaft, einer Situation innewohnt. Sei es ein Felsen, ein Baumstumpf, eine Feuerstelle oder die Trance einer Tänzerin - seine Arbeit hat immer etwas Archaisches und erinnert eher an einen Schmied in der Bronzezeit, der der Natur mit Hilfe des Feuers Form abringt oder an einen Alchemisten des Mittelalters.  Jedoch ist sein Ziel nicht das, die unbändige Natur in eine Form zu zwingen, sondern das, der kontrollierten Natur des 20. Jahrhunderts, in unbemerkten Nischen wie einer Sandgrube, eine Ursprünglichkeit der Wahrnehmung, ein intuitives unmittelbares Erleben entgegenzusetzen.  


Dabei ist es die Farbe selbst, der seine ganze Aufmerksamkeit gilt. Er versteht es wie kein Zweiter, die Materialität und Substanz von Farbe innerhalb einer intuitiv gesteuerten Eruption in den Vordergrund zu rücken und im kognitiven Wechselspiel mit dem Betrachter zu manifestieren, sichtbar - ja beinahe körperlich spürbar zu machen. 


Man hat Franz Grabmayr als Vorläufer, als "Vater" oder - wie sie selbst sagen - als "Vorbild" der "jungen Wilden“ gesehen. Oder auch, wie Konrad Oberhuber, der ehemalige Direktor der Albertina, als Vorläufer des Aktionismus.


Kaum einer, der sich der Suggestion der Bilder Grabmayrs entziehen kann. Alles ist Farbe. Deren Erscheinung sosehr wie deren Gewicht, deren Material wie deren koloristische Wirkung wird mit einer Konsequenz und Virtuosität in Einklang gebracht, der in internationalen Getrieben der Kunst einzig Eugène Leroy zur Seite zu stellen wäre. Dessen gespachtelte oder direkt aus der Tube auf - gedrückte Farbreliefs sind einerseits die nächsten Verwandten zu Grabmayr, andererseits nimmt Leroy durch die koloristisch homogenen, zentimeterdick geschichteten und gehäufelten Bilder eine völlig andere Position ein als Grabmayr. Grabmayr nutzt bewusst die Farbverwerfungen, er spielt mit dem aus der Bewegung heraus resultierenden Überschlagen der Farbe, mit den Sensationen die aus Überlagerungen verschiedener Koloritschichten entstehen. Grabmayr weiß auch um die Schwerkraft seiner Farbe. Nichts gelungener als wenn einer aus dem Farbleib herausgerissenen Schlucht ein Klumpen Farbe gegenübersteht, der langsam, der Schwerkraft folgend, absackt bis er der Lava gleich erkaltet und stehenbleibt. Es gehört viel Erfahrung dazu, um dieses Eigenleben der pastos aufgetragenen Farbe nicht in ungeformtes Chaos ausufern zu lassen. Sosehr der Zufall sich sein Recht verschafft, er tut es doch nur innerhalb von Grenzen, die der Künstler vorgibt.


Bei Leroy trägt sich das Drama der Farbe immer erst aus allernächster Nähe betrachtet zu. Man muss bei dem Franzosen die Farbe riechen können, um Ihr Leben angemessen zu sehen. Demgegenüber sind Grabmayrs Bilder sowohl nah als auch fernsichtig. Aufregend im Detail wie im Überblick. Selten wurde in der österreichischen Kunst die Krise in der Repräsentation von Natur, die der Aufstand der Abstraktion gegen die Nachahmung ausgelöst hat, ungezügelter zum Fundament einer Malkultur. Selten wurde die Selbstreferenz von Farbe und Material zur überzeugenderen ultima ratio der Malerei. " Auszug, Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder - Direktor der Albertina Wien , Katalog zur Ausstellung Franz Grabmayr, Österreichische Galerie Belvedere, 2002 

 


 

Artemons Contemporary Oberösterreich

Sommerpause bis 14. September

 

Ausstellung: Horizonte 

Vernissage 14. September 2019 um 18:00 durch Mag. Carl Aigner (Direktor Museum Niederösterreich)

Raum 09 05 Kopie


Der Horizont ist etwas, das wir suchen. Wir werden diesen aber nie besitzen. Erliegt liegt immer vor uns und wir sind hinter ihr her und er ist die Grenze zwischen Himmel und Erde, vielleicht von Realität und Illusion.


Für die Antike lag der Horizont noch auf dem Land. Nach und nach wurde das Land beschrieben, vermessen und kartographiert. Das vorderste Ziel war, der Welt die Ferne zu entreißen und damit Ferne und Nähe zu definieren.


Ein Schrumpfungsprozess der Welt begann, der – unterbrochen vom Mittelalter – mit Beginn der Neuzeit auch den Himmel miteinbezog. Und das Meer.


Was Giorgio Vasari mit „rinascitá“, mit der „Wiedergeburt“ der Kunst bezeichnete, ging von der Neuentdeckung des Menschen in den Wissenschaften und der Kunst aus. Gemeint war aber auch die Aufhebung der Grenzen zwischen Himmel und Erden, weil die diesseitige Wirklichkeit in die Kunst eindrang. Noch wurde diese ursächliche Wirklichkeit mit dem kirchlichen Schleier schamhaft bedeckt, noch wollte man vor allem Harmonie und göttliche Ordnung im Diesseits sichtbar machen. Als ob der Himmel zur Erde gefallen war, ließ sich die Grenze zwischen Oben und Unten aufheben. Doch der Modus des Kartographierens wurde auch von der Kunst erwidert, die nun den Bildraum mit der perspektivischen Konstruktion in einen vermessenen „Schriftraum“ verwandelte. Diese Profanisierung der transzendenten Ferne durch die Kunst bedeutete im „realen Erleben von Welt“ einen Verlust, den nur die Seefahrt wieder wettmachen konnte.


Der Horizont als Trennlinie zwischen der realen Wirklichkeit unseres Daseins unter den Bedingungen der irdischen Verhaftung und den erhaben anmutenden Sehnsuchtsräumen hinter dieser "Sichtlinie", birgt faszinierende Anreize zur Bildschaffung. Die Orte hinter dieser Sicht - oder Erfahrungsgrenze, die wir im Verlangen nach Erhöhung, nach Erleuchtung, oder nach Welterkenntnis, zu erreichen versuchen, rücken, je weiter wir uns vorwagen, in gleicher Distanz auch wieder von uns weg - so bleibt jede Menge von Denkräumen, Glaubensräumen,  Malräumen.


Über allen Horizonten, seien es Landlinien oder Wasserlinien, spannt sich etwas, das unerklärlich, unfasslich und in seiner kosmischen Wesenheit "unmalbar" ist: der Himmel.


Es geht dabei nicht um eine rein äußerliche Abbildung einer Landschaft. Inspirationsquelle für diese Landschaftsräume sind die eigene Wahrnehmung und Imagination. So variieren die Werke der Künstler zwischen unterschiedlichen Abstraktionsgraden und können so Assoziationen zu Motiven wecken, die als Landschaft gedeutet werden können, aber nicht unbedingt.


Gino ALBERTI, Edgar HOLZKNECHT, Richard JURTITSCH, Hermine KARIGL-WAGENHOFER, Leopold KOGLER, Karl KORAB, Florian NÄHRER, Szilvia ORTLIEB, Kurt SCHÖNTHALER, Franz SCHWARZINGER, Manfred WAKOLBINGER, Robert ZAHORNICKY